Dupuytren-Erkrankung

Ursachen und Beschwerden (siehe auch www.dupuytren-online.de)

Behandlung der Erkrankung

Operationsvorbereitung

Operationsverlauf

Nachsorge

Komplikationen

Wichtig

Ursachen und Beschwerden:

Dupuytren - Erkrankung Das Krankheitsbild des gekrümmten Fingers (Dupuytren-Erkrankung, nach Guillaume Dupuytren [1777-1835], Anatom und Chirurg in Paris) gehört zu den gutartigen Bindegewebsneu­bildungen. Es handelt sich nicht um eine Erkrankung bzw. Verkürzung der Sehnen. Über die Ursache der Erkrankung ist bis heute nur sehr wenig bekannt. Die Erkrankung tritt bei Männern häufiger als bei Frauen auf, berufliche Belastung oder Verletzungen spielen dabei keine Rolle. Das typische Erkrankungsalter liegt im 5., 6. oder 7. Lebensjahrzehnt. Am häufigsten erkranken Ring- und Kleinfinger, gefolgt von Mittelfinger, Daumen und Zeigefinger. Die Erkrankung beginnt mit einer knotigen Verhärtung im Hohlhandbereich. Ein solcher Befund kann monate- und jahrelang unverändert fortbestehen, ohne Beschwerden zu verursachen. Erst wenn sich aus einem solchen Unterhautknoten Stränge bilden und der betroffene Finger nur noch einge­schränkt gestreckt werden kann, kommt es zu einer Beeinträchtigung der Handfunktion, z.B. beim Greifen oder Anziehen eines Handschuhs. Schmerzen bestehen eigentlich nur, wenn die Erkrankung zusammen mit einem schnellenden Finger (Schnappfinger, Tendovaginosis stenosans) auftritt. Bei einem gutartigen Verlauf der Erkrankung sind nur 1-2 Fingerstrahlen befallen und die Fingerkrümmung entwickelt sich langsam über viele Jahre hinweg. Eine aggressive Form liegt vor, wenn sich die Erkrankung weit vor dem 50. Lebensjahr manifestiert, binnen kurzer Zeit viele Fingerstrahlen erfasst und eine erhebliche Funktionseinschränkung der Hand eintritt. Bei dieser Form findet sich nicht selten verdicktes Bindgewebe unter der Haut auch streckseitig an den Fingermittelgelenken und an der Fußsohle.

Behandlung der Erkrankung:

Da die operative Behandlung nicht ohne Risiken ist (s.u.), sollte sie erst beim Eintreten einer Beugestellung der Finger mit entsprechender Behinderung erfolgen. Zwei Verfahren stehen zur Verfügung:

  1. Die Nadelfasziotomie ist ein kleiner Eingriff, bei dem die Bindegewebsstränge unter der Haut mit einer Nadel durchtrennt, aber nicht entfernt werden. Die Steckblockade der Finger wird dabei weitgehend aufgehoben, wobei sich für dieses Verfahren Blockaden der Fingergrundgelenke besser eignen als Blockaden der Mittelgelenke.
  2. Die operative Fingerlösung (partielle Fasziektomie) ist ein deutlich größerer Eingriff, wobei das neu gebildete Bindegewebe über einen längeren Hautschnitt entfernt wird (s.u.).
Durch beide o.g. Verfahren wird die gestörte Handfunktion wiederher­gestellt, die Erkrankung wird jedoch nicht geheilt. Sowohl am operierten Finger als auch an den zunächst gesunden Fingern kann die Erkrankung (erneut) auftreten. Die Wiedererkrankungsrate an einem bereits operierten Finger ist bei der Nadelfasziotomie tendentiell höher. Weiterhin sind die Ergebnisse bei der aggressiven Form der Dupuytren-Erkrankung grundsätzlich schlechter.

Operationsvorbereitung:

Blutverdünnende Medikamente müssen rechtzeitig vor der Operation, ggf. nach Rücksprache mit dem Hausarzt, abgesetzt bzw. ersetzt werden. Weiterhin sollten Fingerringe entfernt werden, wobei wir gerne behilflich sind. Die zu operierende Hand darf keine Risse oder anderen Wunden aufweisen, da hierdurch die Infektionsgefahr erhöht wird. Die Nägel sollten kurz geschnitten und nicht lackiert sein. Nüchtern zu sein, ist nicht notwendig. Das selbständige Führen eines Pkw ist nach der Opera­tion nicht möglich, weswegen die Heimfahrt mit einem Chauffeur oder öffentlichen Verkehrmitteln erfolgen sollte.

Operationsverlauf:

  1. Die Nadelfasziotomie wird ambulant in örtlicher Betäubung (Lokalanästhesie) durchgeführt. Die derben Bindegewebsstränge werden durch die Haut mit wiederholten Nadelstichen perforiert und anschließend unter Zug und Streckung des Fingers durchtrennt.
  2. Die operative Fingerlösung (partielle Fasziektomie) wird nach örtlicher Betäubung des gesamten Arms (Plexusanästhesie) und darüber hinaus in Blutleere durch­geführt. Diese Blutleere wird durch eine Druckmanschette am Oberarm erreicht, jedoch durch die Betäubung des Arms nicht als unangenehm empfunden. Um die feinen Strukturen der Hand besser zu erkennen, erfolgt die Operation mit Lupenbrillenver­größerung. In der Regel ist es ausreichend, nur das störende neu gebildete Bindegewebe unter Schonung der häufig eingeschlossenen Fingernerven und Arterien zu entfernen, um eine weitgehend normale Handfunktion wiederherzustellen. Hierzu wird ein Hautschnitt etwa von der mittleren Hohlhand bis zum Grund- oder Mittelglied des Fingers angelegt. Am Ende der Operation wird eine kleine Drainage in die Wunde eingelegt.

Nachsorge:

  1. Nach der Nadelfasziotomie ist ein Verband nur für 1-2 Tage notwendig, anschließend kann die Hand zunehmend eingesetzt und die Arbeitstätigkeit in der Regel wieder aufgenommen werden.
  2. Nach der operativen Fingerlösung sollte die Hand in den ersten Tagen in Brusthöhe gehalten und geschont werden, um ein Anschwellen der Hand zu vermeiden und um eine rasche Wundheilung zu erreichen. Eine Armschlinge ist hierzu nicht notwendig. Die Verbandswechsel erfolgen in unserer Praxis, da nicht nur die Wunde kontrolliert wird sondern auch die Finger passiv und aktiv unter Anleitung bewegt werden. Nach dem ersten Verbandswechsel ist weiterhin eine selbständige Fingergymnastik erforderlich, wobei die Finger mehrmals in der Stunde gebeugt und gestreckt werden sollten. Nach 14 Tagen werden die Fäden entfernt, anschließend kann ein Handbad mit Kernseife durchgeführt bzw. die Hand wieder gewaschen werden. Nach 2-3 Wochen ist die Hand zum alltäglichen Gebrauch wie auch für die meisten beruflichen Tätigkeiten wieder einsatzfähig, Handarbeiter müssen eventuell mit einer längeren Arbeitsunfähigkeit rechnen.

Komplikationen:

  1. Da bei der Nadelfasziotomie die Haut nur durchstochen wird, aber kein eigentlicher Hautschnitt erfolgt, sind allgemeine Operationsrisiken wie Nachblutung, Infektion und Wundheilungsstörung äußerst selten. Gelegentlich treten bei der Streckung des Fingers zur Durchtrennung des Strangs Hauteinrisse auf, die jedoch sekundär verheilen. Sehr seltene Komplikationen sind die Verletzung und eventuell der Riss von Beugesehnen oder die Verletzung von Fingernerven mit bleibender Gefühlsstörung.
  2. Auch bei der operativen Fingerlösung (partielle Fasziektomie) sind Nachblutung, Infektion und Wundheilungsstörung zwar nicht ausgeschlossen, jedoch als seltene Komplikationen einzustufen. Kleine Blutergüsse und Schwellungszustände klingen in der Regel rasch ab. Bei stärkerer Schwellung sollten neben dem Halten der Hand in Brusthöhe mehrmals täglich Eispackungen angewendet werden, wobei die Wunde hierbei nicht feucht werden darf. Die Entzündungshäufigkeit (Infektionsrate) bei unseren Patienten ist niedrig. Bei Anzeichen einer Infektion, d.h. Schwellung, pochenden Schmerzen im Operationsbereich, Rötung oder gar Entleerung von Eiter aus der Wunde muss sofort ein Arzt aufgesucht werden, um eine gezielte Behandlung einzuleiten. Am günstigsten ist die umgehende Vorstellung in unserer Praxis. Sehr selten ist das Auftreten eines komplexen regionalen Schmerzsyndroms, früher auch „Morbus Sudeck“ genannt, mit Abbau von Muskel- und Knochengewebe bis hin zur Versteifung von Gelenken. Zu den speziellen Gefährdungen der operativen Fingerlösung sind die präparationsbedingten Verletzungen von Nerven und Gefäßen zu zählen. Die Schädigung eines Fingernervs kann zu bleibenden Gefühlsstörungen führen, die Verletzung eines arteriellen Blutgefäßes zu Durchblutungsstörungen bis hin zum Absterben des Fingers. Diesen Schäden wird durch sachgemäße Präparation vorgebeugt. Eine postoperative Gefühlsstörung bildet sich in den meisten Fällen zurück und bedrohliche Durchblutungsstörungen sind äußerst selten. Auch das Abpräparieren der Haut vom darunter gelegenen krankhaften Bindegewebe kann die Durchblutung der Hautränder gefährden, wobei die eventuell entstehenden Wundheilungsstörungen meistens spontan ausheilen. Die genannten Komplikationen können Nachoperationen erforderlich machen, die Behandlungsdauer verlängern und bleibende Funktionsstörungen der Hand verursachen.

Wichtig:

Treten unvorhergesehne Schwierigkeiten auf, wie z.B. Blutung, erhebliche Schmerzen und Schwel­lung oder Bewegungseinschränkungen der Gelenke, so suchen Sie bitte unbedingt wieder unsere Praxis auf. Selbstverständlich stehen wir Ihnen bei Problemen und Fragen gerne zur Verfügung.

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